„Ich bin Innovationen gegenüber von Natur aus aufgeschlossen!“

Einsatz digitaler Lösungen im Medizinischen Zentrum Hönneinsel (Menden/Sauerland)

Menden/Essen – „Digitalisierung“ ist in aller Munde und scheint aktuell in jeder Ecke des Gesundheitssystems stattzufinden. Zumindest reden alle darüber. Aber wo sind die konkreten und sinnvollen Anwendungsfelder? Dem interessierten, aber außenstehenden Facharzt ist es kaum möglich, Visionen und Pilotprojekte von konkreten und nutzbaren Angeboten zu unterscheiden, die bereits in den Alltag Einzug gehalten haben. Im Interview berichtet Dr. Bill Hegemann, (Facharzt für Orthopädie, Chirotherapie, Sportmedizin, Osteologie und Fußchirurgie) über seine Erfahrungen.

Herr Dr. Hegemann, die Digitalisierung in der Gesundheitsbranche ist in aller Munde. Wie ordnen Sie die Entwicklung ein? Und wie beeinflussen die neuen Möglichkeiten Ihren beruflichen Alltag?
Dr. Bill Hegemann: Grundsätzlich bin ich von Natur aus neugierig und Innovationen gegenüber immer recht aufgeschlossen. Allerdings müssen mich die Dinge dann auch überzeugen. Ich möchte ja nicht nachher irgendwelche Probleme lösen müssen, die ohne die Technik überhaupt nicht entstanden wären.

Welche Neuerungen nutzen Sie bereits?
Dr. Hegemann: Neben den zahlreichen digitalen Lösungen, welche die Telematik-Infrastruktur der Gematik mit sich gebracht hat, haben wir zuletzt eine Online-Terminvereinbarung eingeführt. Außerdem nutze ich die Videosprechstunde – und das erfolgreich seit Einführung im Mai 2017.

Das klingt interessant: wie haben Sie das umgesetzt? Im Allgemeinen steht die Videosprechstunde doch eher noch in den Startlöchern…
Dr. Hegemann: Wir pflegen an unserem Praxisstandort in Menden einen engen Kontakt zu einer benachbarten Physiotherapiepraxis. In Zusammenarbeit mit denen nutzen wir ein Konzept zur konservativen Alternative bei drohenden Operationen, z.B. an Knie oder Hüfte. Dieses Konzept im Rahmen der besonderen Versorgung ermöglicht unter anderem den interdisziplinären Austausch zwischen dem Patienten, dem behandelnden Physiotherapeuten und mir per Videosprechstunde. Das ist unkompliziert und erspart dem Patienten die Anfahrt und viel Zeit.

Darüber hinaus hat es aber auch die Kommunikation zwischen der Physiopraxis und mir verbessert. Und am Ende wird der Patient optimal versorgt und die Zeiten zwischen den einzelnen Termin verkürzen sich – eine klassische Win-Win-Situation.

Win-Win? Für Patient und Physiotherapeut? Oder ist es in Bezug auf Sie als Facharzt Win-Win-Win?
Dr. Hegemann: Im Rahmen der besonderen Versorgung kann man tatsächlich von Win-Win-Win sprechen. Ansonsten ist die Vergütung für mich eher zweitrangig. Mir persönlich geht es darum, meinen Patienten einen guten Service zu bieten. Außerdem ist es mir wichtig, mich frühzeitig als innovativer Gesundheitsanbieter zu positionieren, um die technischen Möglichkeiten voll auszuschöpfen und die damit verbundenen Entlastungen in Anspruch zu nehmen.

Denn wie sagt man so schön: Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit! (lacht)

Und wie sehen Sie die Zukunft der Videosprechstunde? Ändert sich die Bedeutung aus Ihrer Sicht im Zuge der voranschreitenden Digitalisierung im Gesundheitsmarkt?
Dr. Hegemann: Das Anforderungsprofil des modernen Arbeitsalltages ist im Umbruch: Die Arbeitszeiten werden immer flexibler. Auch die Bindung an einen Arbeitsort weicht auf, gerade jetzt wird das Thema Home-Office immer wichtiger. Bereits heute erfordern viele Jobs ein Höchstmaß an Flexibilität – viele meiner Patienten sind mehrere Wochen am Stück im Ausland oder nur am Wochenende in Menden. Da erleichtert ein virtuelles Aufeinandertreffen den Erhalt langjähriger Arzt-Patienten-Beziehungen doch ungemein.

Insbesondere hier im Sauerland gibt es noch viele ländliche Gebiete mit einer geringen Facharztdichte und damit verbundenen langen Anfahrtswegen.

Daher bin ich der Meinung, dass die Videosprechstunde deutlich an Stellenwert zulegen wird. Bereits jetzt ist es ein echter Mehrwert, dem Patienten bereits nach einer kurzen Konsultation per Videokonferenz sagen zu können, dass er z. B. zunächst eine Bildgebung benötigt. Ich versende dann direkt über die Chatfunktion des Videoprogramms die Telefonnummern oder E-Mailadressen einiger Kollegen aus der Radiologie, damit meine Patienten möglichst schnell einen Termin für ein MRT o.ä. bekommen, falls wir dieses nicht selbst leisten können.

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg für die Zukunft.

Das Interview führte Tim Schneider, Deutsche Arzt AG (DAAG).

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